OEStreit
2007-12-15
Probleme mit OutlookExpress ®

In den Diskussionsgruppen des Usenet flammt immer wieder die Debatte um die Fehler des Microsoft-Newsreaders OutlookExpress ® (OE) auf, der als Bestandteil des InternetExplorer ® kostenlos zusammen mit den Windows ® -Betriebssystemen verteilt wird. Die Debatte wird meist sehr schnell sehr heftig und ist für Neulinge, die das Programm unbefangen verwenden, nicht leicht zu verstehen. Deshalb hier der Versuch, einen Überblick zu geben.

Wie für alles, gibt es für das Usenet Regeln. Diese Regeln beziehen sich u.a. sowohl auf die "technische" Gestaltung von Beiträgen, die von den Programmen erledigt wird und für den Benutzer in der Regel unsichtbar bleibt, als auch auf die äußere Form der Beiträge. Beides wurde (wie viele andere Regeln, nach denen das Internet funktioniert) im Laufe der Jahre durch die Benutzer des Usenet festgelegt, und beruht auf Erfahrung und gründlicher gemeinsamer Überlegung. Die Verfahren zur Änderung solcher Regeln liegen ebenfalls fest und sind absichtlich so gestaltet, dass niemand auf die Idee kommen wird, aus einer Augenblickslaune heraus eine Regeländerung anzustoßen. Das Verfahren ist aufwendig und soll letztlich sicherstellen, dass Änderungen durch einen Prozess demokratischer Willensbildung legitimiert sind.

Warum Regeln? - Das Usenet kann nur dann ordentlich funktionieren, wenn die Beiträge so gestaltet sind, dass sie überall lesbar ankommen, egal, welches Computersystem und welches Programm der Leser benutzt. Hält sich ein Programm nicht an diese Regeln, dann entstehen Beiträge, die mit anderen Programmen nicht oder nur schwer zu lesen sind. Genau das tut OutlookExpress (OE). Und weil OE von Microsoft stammt und jedem Windows kostenlos beiliegt, wird es von sehr vielen Leuten verwendet, deren Beiträge anschliessend die Lesbarkeit der Newsgroups erheblich beeinträchtigen.

Warum hält sich OE nicht an die Regeln? - Die Diskussion um die Mängel von OE ist so alt, dass sie Microsoft unmöglich entgangen sein kann. Seither sind mehrere neue Versionen von OE erschienen, ohne dass die Mängel beseitigt worden wären. Da es sich aber um Probleme handelt, die von erfahrenen Programmierern ohne Weiteres beseitigt werden könnten, drängt sich der Schluss auf, dass Microsoft diese Mängel mit Absicht nicht beseitigt. Entweder man macht sich in Redmond einfach wenig aus der Meinung der Usenet-Teilnehmer, die eine verhältnismäßig kleine Gruppe aller Internet-Teilnehmer darstellen, oder man verspricht sich von diesem Vorgehen einen konkreten Vorteil. Manche erinnern an den legendären "Browserkrieg" zwischen dem etablierten Netscapes Navigator und dem Internet Explorer, wo Microsoft durch seine Marktmacht Verletzungen der Standards als neue Standards durchsetzen und somit eine marktbeherrschende Position erlangen konnte. Gegen diesen Gedanken spricht allerdings, dass die von OE produzierten Artikel auch von Verwendern dieses Programms selbst schlecht zu lesen sind. Letztlich ist es schwer, eine plausible Erklärung für das Verhalten von Microsoft in Sachen OE zu finden.Wenigstens dann, wenn man nicht einfach Ignoranz unterstellen will.

Um welche Fehler von OE geht es konkret? - Nicht alle Fehler sind gleich schwerwiegend, nicht alle sind gleich offensichtlich. Die wichtigsten sind:

Es gibt noch einige weitere Fehler von OE, auf die ich hier nicht näher eingehen will. Sie sind in den am Ende dieses Artikels angegebenen Quellen zu finden. Die genannten Beispiele dürften genügen, um zu zeigen, wie sehr OE völlig vermeidbarer Weise die Lesbarkeit des Usenet beeinträchtigt. Wer viel mit diesem Medium arbeitet, weil er z.B. die Informationen daraus beruflich braucht, wird sich im Laufe der Zeit durch die Mängel von OE erheblich gestört fühlen. Diese Frustration äußert sich in manchmal recht ungehaltenen Zurechtweisungen von OE-Benutzern, seit nun schon einer ganzen Weile aber auch dadurch, dass man einen heiklen Fehler von OE dazu verwendet, seinen Benutzern einen kurzen Schrecken einzujagen:

Der Trick mit den scheinbaren Dateianhängen - Wie an jede eMail kann man auch an jedes Posting eine beliebige Datei anhängen, um sie mitzusenden. Es gibt nur wenige Newsgroups, in denen solche Anhänge erwünscht oder geduldet sind. Überall sonst sind Attachments verpönt. Es ist nun eine Eigenheit von OutlookExpress, dass es einen Dateianhang "erkennt", wenn irgendwo in einem Posting die Zeilenfolge

begin  dateiname.xyz
  (beliebiger Text)
end

erscheint. Entscheidend für das Funktionieren des Tricks sind die zwei Leerzeichen nach "begin". OE zeigt in diesem Fall nicht den "beliebigen Text" oder einfach diese harmlosen Zeilen, sondern es meldet, dass die Nachricht einen Anhang mit dem Namen "dateiname.xyz" enthalte. Wobei die Wiedergabe der Dateiendung je nach Systemeinstellungen auch unterbleiben kann. Steht nun als "Dateiname" etwas, was nach einem Virus aussieht, ist die Bestürzung der Empfänger groß. Wenn sie dann darauf hingewiesen werden, dass der ursprüngliche Text, den man in OE mit <Strg>+F3 anzeigen lassen kann, keinerlei Viren enthält, sind manche nur erleichtert und amüsiert, andere hingegen holen zu wütenden Antworten aus, die oft tagelange erregte Debatten nach sich ziehen. Diese Debatten sind das eigentliche Ziel der Provokation, denn sie sollen die Mängel von OE und den aus ihnen resultierenden Schaden für das Usenet bekannt machen.

Alternativen - Es gibt einige andere Newsreader und keiner von ihnen ist ganz ohne jeden Fehler. Viele Teilnehmer, die lange und viel in den Newsgroups arbeiten, schätzen den FortéAgent, den es in einer kostenlosen und in einer zu kaufenden Version gibt. Ich verwende ihn selbst und habe ihn auf meiner Software-Seite aufgeführt. Neben seinen technischen Qualitäten spricht für ihn einfach die wunderbar bequeme Handhabung.

Zum Weiterlesen:

Die OE-FAQ: http://oe-faq.de
"Kleine Tips zum Posten mit Outlook Express 5.0 ohne aufzufallen": http://www.henrik-reimers.de/oe5/
Zur Kunst des Zitierens: http://www.afaik.de/usenet/faq/zitieren/
Der "Virus"-Trick: http://piology.org/ILOVEYOU-Signature-FAQ.html
Damit auch persönliche Mails gut ankommen: http://piology.org/mail/